Am Samstag habe ich einem Mitmenschen beim Töfffahren offenbar den letzten Nerv ausgerissen.
Bei prächtigem Frühlingswetter war ich kreuz und quer vornehmlich im Solothurner Jura unterwegs. Unter anderem auch auf der Strasse hoch auf den Brunnersberg. Eine typische schmale, steile Bergstrasse, wie man sie häufig antrifft. Das Wetter hat nicht nur die Töfffahrer gelockt, sondern auch Horden von unmotorisierten Zweirädern wie Rennvelo- und Mountainbikefahrer.
Komme ich also an eine ziemlich steile, lange Rampe. Vor mir zwei Biker mit dem Rennradel, nebeneinander fahrend. Ich will ja nicht unanständig sein und die hetzen, da es wirklich grad ziemlich steil ist. Also halte ich mit dem Töff genügend Abstand und fahre im langsamen Schritttempo hintendran. Die Rampe ist endlich zu Ende, aber die beiden machen keinen Anstalten, hintereinander zu fahren, sondern brauchen frisch fröhlich weiter die gesamte Strasse. Da warte ich noch, bis ich schliesslich etwas näher aufrücke. So ein Töff ist glaub nicht zu überhören. Aber immer noch keine Reaktion. Dann eben kurz die Hupe gedrückt, da ich der Meinung war, lange genug Geduld bewiesen zu haben.
Oh Wunder, nun geht es mit dem hintereinander fahren. Ich setze zum Überholen an. Als ich gerade am vorbeifahren bin, höre ich den einen mir unschöne Sachen in der Art von „Sch**** Töfffahrer“ nachschreien. Sein Pech, dass ich wegen der Mordshitze mit offenem Klapphelm gefahren bin, keine Gehörschutzstöpsel in den Ohren hatte und auch das hinterste und letzte Wort verstanden habe. Seine Worte fand ich dann wiederum nicht so erfrischend, da ich der Meinung bin, mich rücksichtsvoll verhalten zu haben.
Ich bin ein ruhiger und geduldiger Mensch. Und provozieren lasse ich mich nicht – im Normalfall. Aber das waren definitiv die falschen Worte. Also kurzerhand den Blinker gesetzt, rechts ran gefahren, Töff abgestellt, abgestiegen, Helm abgezogen und gewartet. Hätte das mit dem Radfahrer gerne anständig diskutiert. Der hatte aber kein Musikgehör, sondern hat offenbar seine letzten Kraftreserven mobilisiert und ist im Eilzugstempo an mir vorbei geradelt. Dafür hat sein netter Kollege mit hochrotem Kopf angehalten und sich an dessen Stelle entschuldigt. Habe dann einen Moment gewartet, bis die beiden von dannen gezogen sind und habe kurz darauf in der nächsten Bergbeiz einen Halt eingelegt. Nicht dass ich die noch ein zweites Mal überholen musste. Töfffahren verschafft einem wirklich Abwechslung im Leben